Kirchspiel Tannroda

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Wie viele Brote habt ihr?

Bewegung des Herzens

Wie viele Brote habt ihr?

Der Weltgebetstag 2011 kommt aus „dem letzten Winkel der Welt“, wie die Chileninnen
und Chilenen selbst ihr Land nennen. Er geht mit der Titelfrage „Wie viele Brote habt
ihr?“ sogleich „zur Sache“: Ihr Christinnen und Christen weltweit – was habt ihr zu bieten?
Was tut ihr gegen den Hunger in der Welt? Was und wo sind eure Fähigkeiten, die
ihr dort teilen und einsetzen könnt, wo sie gebraucht werden? So direkt ist uns schon
lange kein Weltgebetstag mehr „zu Leibe gerückt“. In der Gottesdienstordnung ist vorgesehen,
dass die Gaben und Fähigkeiten aller Teilnehmenden im Gottesdienst aufgeschrieben,
in Körben gesammelt und auszugsweise am Altar verlesen werden. „Wie viele
Brote habt ihr?” fragte Jesus seine Jünger, die ratlos vor den 5.000 Hungrigen standen und
ermutigte sie zum gesegneten Teilen der geringen Brotvorräte. Und alle wurden satt.
Diese Mutmachgeschichte aus dem Markusevangelium stellen die Weltgebetstags- frauen
in den Mittelpunkt ihres Gottesdienstes. Auch wenn bereits 1936 schon einmal eine
Gottesdienstordnung aus Chile kam, ist die heutige Weltgebetstagsbewegung in Chile
jung. Denn erst im Jahr 2000 haben Frauen, die in verschiedenen Fraueninitiativen
engagiert waren, eine Gruppe gebildet, aus der heraus das WGT-Komitee erwachsen ist.
Ein Zeichen für ökumenische Tatkraft, die für das überwiegend römisch-katholische Chile
(gut 70%) etwas Neues ist. Auch unter den ca. 15% protestantischen Christinnen und Christen
war Ökumene bisher kaum ein Thema. Ökumenisches Miteinander ist schon geografisch
gesehen nicht leicht: Die Schriftstellerin Isabel Allende nennt ihre Heimat Chile ein
„spannelanges Land... wo alle Wege enden an dieser Lanze im Süden des Südens von Amerika,
viertausenddreihundert Kilometer Berge, Täler, Seen und Meer.“ Dieser schmale, klimatisch
sehr gegensätzliche Küstenstreifen wird von rund 16 Mio. Menschen bewohnt, die
sich scharf in Reich und Arm und die verschiedenen Bevölkerungsgruppen aufspalten. Im
Gefolge des Spaniers Magellan, der 1520 das Land hinter den Anden „entdeckte“, wurde
gegen die indigene Bevölkerung um Land und Lebensrechte gekämpft. Und bis heute kämpfen
die indigenen Völker Chiles, die ca. 10% der Einwohner ausmachen, um ihre Rechte:
die Aymaras ganz im Norden und vor allem die Mapuche im Süden.
In der Weltgebetstagsliturgie werden wir nicht nur in der Landessprache Spanisch begrüßt,
sondern auch mit Worten aus den indigenen Sprachen. Ein Hoffnungszeichen, dass unter
Christinnen und Christen die ethnischen Grenzen überwunden werden sollen. Vom 19. Jhd.
an wurden Deutsche - überwiegend evangelisch-lutherischer Konfession – auf fruchtbarem
Land der Mapuche angesiedelt. Vergessen ist das nicht. Auch andere dunkle Zeiten und vor
allem die schlimmen Jahre der Militärdiktatur unter Pinochet von 1973 bis 1990 sind
unver- gessen und kommen auch in der Gottesdienstordnung zur Sprache. Als die Liturgie
schon fertig geschrieben war, erschütterten das Land das Erdbeben und die Flut vom
Februar 2010. Aber das Thema der Liturgie: Wie viele Brote habt ihr? wurde für die
Verfasserinnen zur aktuellen Überlebensfrage und zur dringenden Bitte nach Solidarität an
alle Christinnen und Christen weltweit. Renate Kirsch

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