Kirchspiel Tannroda

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Jesus und Murphy's Gesetze

Bewegung des Herzens




Der Amerikaner Arthur Bloch hat unser Alltagsleben auf Gesetzmäßigkeiten und immer wiederkehrende Erfahrungen unter- sucht. Seine Erkenntnisse bündelt er in grif- figen und humorvollen Formeln, die als ›Murphy'sche Gesetze‹ bekannt geworden sind. Von der Gültigkeit eines dieser  Gesetze können wir uns täglich überzeugen: »Die andere Schlange kommt schneller voran.« Vor der Kasse im  Supermarkt, auf dem Bahnhof an den Ticketschaltern, im Stau auf der Autobahn, an den Toren vor dem Fußballstadion – die andere Schlange kommt schneller voran. Murphy’s Gesetz gilt für alle Lebensbe- reiche: Immer gibt es andere, die schneller vor- wärts kommen, die ein bisschen mehr Glück ha- ben, die gesünder  sind oder sorgloser leben können. Immer habe ich den Eindruck, dass  anderen etwas in den Schoß fällt, was ich mir hart erarbeiten muss. Immer meine ich, in der falschen Schlange zu stehen.
Auch in der Bibel begegnet mir Murphy’s Ge- setz: Jesus erzählt von einem Gutsbesitzer, der mehrmals am Tag auf den Marktplatz geht, um Arbeiter für seinen Weinberg zu finden. Die einen arbeiten vom frühen Morgen an, die anderen werden erst eine Stunde vor Feierabend eingestellt – und dennoch erhalten alle den gleichen Lohn (Mt 20) Wieder einmal in der falschen Schlange gewartet – müssen sich die Männer der ersten Stunde denken. Gilt Murphy’s Gesetz womöglich auch noch für die Schlange vor der Himmelstür? Bin ich nicht in der falschen Spur, wenn ich mich um ein ehrliches und anständiges Leben nach Gottes Geboten bemühe – und der andere, der sich durchmogelt und erst in letzter Minute besinnt, dieselbe Chance hat?
Es gibt anscheinend keine Möglichkeit, diese Regel außer Kraft zu setzen. Ich kann zwar versuchen, mich in die andere Schlange einzureihen – aber dann tritt sofort ein weiteres Gesetz Murphy’s in Kraft: »Wenn du die Spur wechselst, wird sich die Schlange, die du  gerade verlassen hast, schneller bewegen als die, in der du jetzt stehst.«

Wenn ich in der anderen Schlange stehe, entdecke ich schnell, dass hier nicht alles so glatt läuft, wie es auf den ersten Blick aussah.Wenn ich das Leben der vermeintlich Glücklicheren näher kennen lerne, bleiben mir auch die Schattenseiten, Leid und Not nicht verborgen. Wenn  ich mich in die Arbeiter der letzten Stunde hineindenke, von denen Jesus erzählt, dann kommen die Fragen: Ist das  wirklich Glück – den ganzen Tag nicht arbeiten zu dürfen, obwohl man möchte? Ist das erstrebenswert – stundenlang Angst zu haben, ob man überhaupt noch etwas für den Lebensunterhalt zusammenbringt?

Wenn ich mir genau überlege: Ist ein Leben, das sich vorwiegend an Reichtum, Vergnü- gen und Bequemlichkeit orientiert, tatsächlich so verlockend?
»Die andere Schlange kommt schneller voran.« Murphy’s Gesetz wird dich durchs Leben begleiten, aber es wird dich immer weniger stören, wenn du dir durch die Geschichte Jesu sagen lässt: Sei nicht neidisch, wenn es anderen gut geht! Gönne ihnen ihr Glück! Freue dich mit den Arbeitern der letzten Stunde über den unerwarteten Lohn – du könntest selbst einmal wie sie auf die Güte und Barmherzigkeit eines anderen angewiesen sein! Je mehr  du dich mit ihnen freuen kannst, desto zufriedener wirst du selbst. Je besser du dich in ihre Lage  versetzen kannst,  desto dankbarer wirst du dafür sein, dass Gott nicht nach Lei- stung, sondern nach Bedürftigkeit seine Zuwendung verteilt.   
Wolfgang Raible


 
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